Buchrezension: Claudia Kern – Divided States of America

Und damit ist es offiziell: Joseph Johnson ist der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

S. 7

Heute gibt es eine andere Art von Buchrezension. Ich habe das Buch schon vor einiger Zeit beendet, aber leider ist dieser Beitrag auf meinem alten Laptop verschwunden. Jetzt habe ich diesen reanimiert und das gute Stück noch schnell gerettet!

 

 

 

 

 
» Autorin:     Claudia Kern
» Verlag:      Cross Cult
» Seiten:     600
» Erscheinungsdatum: 6. November 2017
» Preis: 24 €
   

Worum geht es?

Der TV-Star Joseph Johnson ist nach einem harten und schmutzigen Wahlkampf endlich an seinem Ziel. Er ist der neue Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Seine erste Amtshandlung ist ein Dekret gegen illegale Einwanderer, welches Ordnung in „sein“ Land bringen soll. Auch alle legalen Einwanderer sind betroffen. Sie müssen von nun an einen Ausweis überall dabei haben, der sie als legal katalogisiert. Das Land spaltet sich in zwei Seiten. Zum einen gibt es die Neonazis und Nationalisten, die Präsident Johnson für einen ehrenwerten Mann und feiern, dass sich das Dekret durchsetzt. Auf der anderen Seite stehen drei Staaten und ihre Gouverneure, die sich weigern, das Dekret umzusetzen und Zuflucht anbieten. Doch die Flüchtlingsmassen vor geschlossenen Grenzen stauen und Aktivisten auf Neonazis treffen, gerät das ganze außer Kontrolle. Doch noch eine viel größere Katastrophe steht der USA noch bevor.
 
Das Buch wird aus mehreren Perspektiven von verschiedenen Charakteren erzählt, die in völlig verschiedenen Bundesstaaten leben. Zum einen haben wir Juan, der in Orlando (Florida) als illegaler Flüchtling lebt und sein Geld in einem Foodtruck verdient. Im nächsten Kapitel aber treffen wir vielleicht auf den rechten Mike Jenner, der in Lincolnville (Washington) lebt und seine Familie mit Aushilfsjobs für seine Freunde über Wasser hält. Auch seinen Sohn Sam werden wir im Verlauf besser kennenlernen.
In jedem Kapitel lernen wir entweder einen Charakter neu kennen oder aber, wir lernen ihn besser kennen. Oben habe ich nur zwei Beispiele genannt, aber das Buch gibt auch Einblick in das weiße Haus und was sich dort drin abspielt. Ebenfalls lernen wir Gouverneure kennen, die entscheiden müssen, ob sie hinter ihrer Partei und damit hinter ihrem Präsidenten stehen oder ob sie lieber nach ihren eigenen Werten und Normen regieren wollen. Jeder hat in diesem Buch eine kleine eigene Welt und zusammen ergeben sie die USA, mit vielen verschiedenen Sichtweisen auf das Leben, auf Richtig und Falsch und darauf, wie sich alles verändern kann.
Auf 615 Seiten zeigt die Autorin Claudia Kern eine gute Recherche und sehr viel Fingerspitzengefühl. Ich finde ihren Schreibstil unglaublich, mitreißend und sehr klar. Es gibt keine Stolpersteine in ihren Sätzen, nichts worüber man länger nachdenken müsste (im positiven Sinne!) und ich konnte mir einige Szenen so genau vorstellen, als ich würde ich neben den Protagonisten sitzen und selbst in dieser Geschichte vorhanden sein.
Die Spannungskurve ist enorm bei diesem Buch, weil ich finde, dass jeder Protagonist seine eigene besitzt und diese nicht zur gleichen Zeit auf der gleichen Höhe sitzen, was es manchmal unerträglich gemacht hat, ein Kapitel abzuschließen und in einen anderen Kopf eintauchen zu müssen.
 
 
Ich hoffe ihr könnt bis hier hin verstehen, worum es in dem Buch geht und was es so faszinierend macht. Vielleicht fragt ihr euch auch, warum ich keine passenden Worte für dieses Buch finde, aber ich versuche es nun zu erklären. Dies ist meine subjektive Meinung und die fällt bekanntermaßen bei jedem unterschiedlich aus.
 
Ich habe mich gefragt, woher diese Autorin eine Kristallkugel hat, wenn man sich die durchaus realen Nachrichten in der USA so anschaut. Sie hat hier ein Bild erschaffen, was ich für durchaus denkbar halte, schaut man sich die unglaublichen (bestimmt nicht zufälligen) Gleichheiten des echten Präsidenten der USA und Joseph Johnson an. Ich möchte natürlich nicht, dass solche Grausamkeiten in der Zukunft in der echten USA passieren, aber gerade wenn man sich „die Kleinigkeiten“ (im Vergleich zum Buch) anschaut, kommen da gewisse Parallelen zusammen.
Was passiert, wenn Gesetze durch ein Bundesgericht nicht gestoppt worden wären. Diese Frage stelle ich mir nicht nur einmal, denn wie ich eben schon sagte, die Ähnlichkeiten sind so unfassbar. Das Buch hat mich mit Angst geschürt, „was wäre wenn…“-Fragen, die durch meinen Kopf schwirrten.
Ich muss jedoch gestehen, ich hatte zwei starke Momente, in denen ich das Buch weggelegt habe, wo ich nicht weiterlesen konnte und wollte. Dies sind die beiden Kapitel, in denen man die rechte Familie kennenlernt. Ich weiß nicht genau, ob ich sie eher als Nationalisten oder als Neonazis beschreiben soll. Ich konnte nicht verstehen, warum ein Mensch so denkt, wie es in dem Buch beschrieben wird und ich wollte es auch nicht verstehen. Ich habe mich sehr schwer getan mit diesen Kapiteln, aber dies ist trotzdem kein Grund, warum man das Buch weglegen sollte. Ich verstehe auch noch immer nicht, wie ein Mensch so denken und so handeln kann, aber diese Familie war ein sehr wichtiger Teil dieses Buches und es war interessant in einige dieser Köpfe schauen zu können, in denen sich hinter Wut und Stolz auch Angst, Zweifel und Reue versteckten, die bei jedem anders zur Geltung kamen.

 

 

Für mich ist dieses Buch eine absolute Kaufempfehlung, weil es super spannend und mitreißend ist, angsteinflößend und einen sehr nachdenklich über aktuelle Situationen und neue Geschehnisse macht. Selten hat mich ein Buch in eine andere Welt entführt und mich trotzdem denken lassen, dass dies in der nächsten Sekunde bei der Tagesschau gebracht werden könnte.
 
 
Bei Goodreads habe ich diesem Buch fünf von fünf möglichen Sternen gegeben.

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